Gießen oder jäten?

Hallo ihr Lieben,

Ich benutze oft Metaphern, da diese eine bildliche und somit auch eine klarere Aussagekraft haben und das Gefühl dahinter präsenter wird. Da ich auch Gärtner bin, passt es umso besser 🙂

Also was meine ich mit gießen oder jäten?

Ihr kennt alle unsere Prägungen, wieso man sich so verhält wie man sich halt verhält. Übergeordnet unsere kulturelle und geschichtliche Prägung (in welche Kultur werde ich hineingeboren, welche Religion, welches Land arm-reich), sowie ganz individuell unsere Erfahrungen in der Erziehung, in der Familie, Grundschule, Peer-Group, Beruf usw. In dieser Zeit des „Heranwachsens“ werden wir gefüttert mit Außeneinflüssen. Einflüsse wie man sich zu Verhalten hat in der Familie (ganz individuell je nach Familiengefüge und deren Ressourcen), welche Grundprioritäten sind dem Vater und der Mutter wichtig und was wird euch bzw. dem Kind mitgegeben und vorgelebt. Natürlich macht es auch einen Unterschied wie groß das Familiengefüge ist oder ob man in einer Wohnung aufwächst oder am Land in einem Bauernhof. So wird man mehr oder weniger „Sozialisiert“ und geformt, erhält Normen und Werte mitgeliefert, ob bewusst oder unbewusst. Gerade in Kleinkindzeiten bzw. auch schon im Mutterleib (ab der 9. Woche nimmt der Fötus/Wir Informationen bzgl. seiner Außenwelt auf) werden wir regelrecht bombardiert mit Informationen und in weiterer Folge armt das Kleinkind viele Handlungen und Verhaltensmuster der Eltern oder älteren Geschwister nach, obwohl es vielleicht noch nicht die Sinnhaftigkeit der Handlung versteht, aber es möchte halt alles machen was die Mama oder Papa halt so macht.

Und so entstehen die ersten gezielten Prägungen die uns nach und nach im Erwachsenenalter oft wieder bewusst werden, oder wo man sich nach und nach reflektiert und hinterfragt „Wieso mache ich dies und jenes so oder so?“. Da kommt man dann gerne auf interessante Ergebnisse und vielleicht auch auf „Aha-Erlebnisse“, die so einiges Erklären und in dein Bewusstsein rücken dürfen. Um jetzt wieder auf das „Gießen und jäten“ zurückzukommen. Diese bewussten oder auch unbewussten Indoktrinationen haben einen signifikanten Anteil daran, wie sich zum einen mein Charakter formt und zum anderen wie ich meine Persönlichkeit zum Ausdruck bringe. Bin ich ein Mensch, der sich eher zurückzieht, seine Probleme und Gefühlsachterbahnen mit sich selbst klärt, oder eher ein Mensch der extrovertiert sein Leben lebt, sich jedem mitteilt und am liebsten eine Dokusoap von sich ausstrahlen lassen würde, überspitzt gesagt.

Bin ich ein Mensch, der mit Informationen gefüttert wurde, immer an sich selbst zu glauben, zu vertrauen und sein potenzial zu entfalten und dabei immer von seinen Mentoren (Mutter, Vater etc.) bestärkt wurde, an sich zu orientieren. Oder eher ein Mensch, der sich in Konkurrenzkämpfe verliert, sich immer wieder vergleicht und sich dabei schlecht macht, sein Selbstwertgefühl nach und nach minimiert und stark Abhängig ist von der Außenwahrnehmung seiner selbst, sprich Meinungen usw. Beides hat seine Berechtigung und ist für unsere Entwicklung richtig und gut.

Wichtig deshalb und jetzt komme ich zu der Metapher zurück „gießen oder jäten“. Gießt man sich selbst, seine Träume, Visionen, Ausrichtungen, Passion, Leidenschaft und nährt diesen Boden in sich und unter sich oder orientiert man sich im Außen (an das saftige Grün wo eine andere Person steht) und möchte so sein wie seine Vorbilder aus dem Mainstream, Schauspieler, Popstars usw. Bis zu einem Grad auch legitim bzw. jeder Grad ist legitim, nur sollte ein gewisser Bogen nicht überspannt werden. Der Punkt, wo man sich selbst zu „jäten“ beginnt.

Was meine ich damit? In dem ich so sein möchte wie andere Menschen, in dem ich Verhalten oder Eigenschaften annehmen möchte, wo ich Menschen nachahme und vielleicht auch ihre Identität spiegle. Wo ich mich verstelle, um anderen Menschen zu gefallen, oder ich nicht auf meine Gedanken und Emotionen achte, die mir schon Signale liefern, das dies nicht “Echt” oder “Richtig” ist für mich.  Ab diesem Zeitpunkt „jäte“ ich Eigenschaften, Grundprägungen oder Verhaltensmuster die mein SEIN und mich als Mensch definieren. Ich lehne mein „Eigenes Ich“ ab und distanziere mich mehr und mehr von mir. Dies führt unausweichlich zu Disharmonien in mir, zu kreisenden Gedanken, zu emotionalen Zuständen, die dir zeigen wollen „Das bist nicht du, dass ist nicht unsere Wahrhaftigkeit“. Es führt in eine weitere Ebene des Dich-Selbst-Vergessens oder nicht Wahr-haben-wollen. Jeder hat seinen freien Willen, darf Entscheidungen treffen, die für ihn gut sind, nur sollte man sich auch bewusst sein, dass jede Aktion auch eine Reaktion hervorruft und dein wahres Sein immer zu seiner Ursprünglichkeit zurückkehren möchte. Dies wird dir dann auch im Außen präsentiert.

Wenn man sich täglich selbst „gießt“ seinen Boden nährt mit positiven Ausrichtungen, Affirmationen, liebevollen Gedanken und an sich tief und fest glaubt und sich der Wichtigste Mensch im Leben ist, dann ist dieses Wachstum und dieses Licht in uns, grenzenlos und unendlich. Da Entwicklung nie aufhört und ewiglich ist und das gute und positive im Leben keinen Halt macht, wenn man sich dafür öffnet, darf man auch öfters nass werden und sich „Gießen“.

In diesem Sinne wünsche ich dir, dass du deine Träume und Visionen, so wie es dir möglich ist, ausdehnst, vertraust, lebst und täglich nährst mit positiven Gedanken.

Ich wünsche dir ein schönes Wochenende und eine harmonische Zeit

Dein Wolfgang